Zur Sache, Schätzchen!
Musikalische Harlekinaden von Busoni und Strawinsky in Konstanz Mit Strawinskys «Pulcinella» und Ferruccio Busonis Opernrarität «Arlecchino» lässt die Konstanzer Kammeroper in diesem Jahr die bunt gescheckte Spielwelt italienischer Wanderbühnen durch den Rathaushof ziehen.

Bettina Kugler

Das Fensterln ist Arlecchinos Lust. Zwischen dem Himmel weiblicher Reize jenseits der letzten Leitersprosse und dem Boden handgreiflicher Auseinandersetzungen mit all jenen, die dem vitalen Schelm dabei in die Quere kommen, situiert Ferruccio Busoni folg-lich sein musikalisches Capriccio «Arlecchino oder die Fenster» nach dem Vorbild italienischer Stegreifspiele der Commedia dell'Arte.

Plüsch und Seifenblasen
Fenster muss Ausstatterin Vivien Dürr für Annette Wolfs spritzige Inszenierung, die Busonis Szenenfolge mit Strawinskys Ballettmusik nach Giambattista Pergolesi verbindet, nicht erst entwerfen und bauen lassen. Der Innenhof des Konstanzer Rathauses, seit Jahren vielseitiger Schauplatz der Freilicht-Kammeroper unter der künstlerischen Leitung von Peter Bauer, lässt sich als architektonisch reizvolle und historisch passende Kulisse aufs Schönste bespielen: Türme, Fenster zu Ratszimmern, die dicht bewachsene Mauer, in deren Grün die Sänger sich verstecken können - die Regisseurin lässt nichts ungenutzt. Geflirtet wird mit Spitzenwäsche, Plüsch und Seifenblasen, wenn auch ohne Masken. Boris Weber als Arlecchino/Pulcinella zieht keck die Fäden, an denen die anderen Figuren zappeln: Colombina (die stimmlich überaus agile Evelien Asberg), Ser Matteo (Martin Jan Nijhof) oder der Schmeichler Leandro (Roger Padullés), dem mit dem Herzen auch der lyrische Tenor aufgeht.

Ironische Pointierung
Mit wenig Aufwand erzielt die Inszenierung ihre höchst vergnügliche Wirkung: Mittelpunkt der Szenerie ist ein Brückenbogen, vor und unter welchem das Orchester Platz hat und sich ironisch einmischt - eine praktische, wenngleich klanglich nicht immer überzeugende Lösung. Dafür ist das vif agierende Sängerensemble stets gut zu sehen und geht darstellerisch mit Witz zur Sache. Doppelt sinnvoll ist die Doppelung des Gauklerspiels mit den Commedia dell'Arte-Versionen von Strawinsky und Busoni: einerseits ergibt sich damit die gewünschte abendfüllende Länge, zum anderen hält Strawinskys «Pulcinella» - dessen Instrumentation und Klangbild Peter Bauer Busonis Partitur angenähert und damit kammeropertauglich bearbeitet hat- der musikalischen Harlekinade jenen blank polierten «Lachspiegel» vor, in dem das Leben nach Busonis Vorstellung künstlich aufscheinen sollte.

Weitere Aufführungen: 16., 17., 19. und 21. August, 20.45 Uhr. Bei schlechtem Wetter halbszenisch im Konzil.