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Rundfunkkritik SWR x (ARD) Dienstag 22.01.2002 Anmoderation: Das Theater der Stadt Koblenz brachte als erste Neuproduktion des Jahres die Phantastische Oper "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach heraus. Hans Richard Stracke besuchte die Premiere am 18. Januar im voll besetzten Großen Haus. [...] Auch in Koblenz sah man sich mit dem Fassungs-Problem konfrontiert und entschied sich für die Oeser Ausgabe, nachdem die wahrscheinlich kompletteste Edition das knappe Haushaltsbudget weit überfordert hätte. Dem Premierenerfolg tat das keinen Abbruch. Regisseurin Annette Wolf neigt in ihrer Arbeit stark zu Symbolik, wie etwa die Spiele mit weißem Schal, schwarzen Kisten und Bilderrahmen zeigten. Aber sie vermeidet antiquiertes Plüsch- und Rampentheater , auch, indem sie das Geschehen näher an unsere Zeit rückt. Den Eröffnungstanz der Wein- und Biergeister ersetzen schwefelfarbene Lichtsignale; die Muse materialisiert sich bengalisch aus dem Nichts in Hoffmanns Begleiter; die Automatikpuppe "Olympia" wirkt mit silbrig-weißer Perücke und glitzerndem Stretchbody wie eine nachträgliche Geburtstags-Hommage an Marlene Dietrich [...]. Sie wird auch nicht wie sonst aufgezogen, sondern ferngesteuert. Die Kurtisane Giulietta, normalerweise eine Tizian -üppige Blondine, erscheint als mondäne Salonschlange. Die vier Frauenrollen "Olympia", "Antonia", "Giulietta", "Stella" hat man in Koblenz mit einer Sängerin besetzt. Die jugendlich-schlanke Annette Robbert bewältigt die Mammutaufgabe darstellerisch gut bis brillant. [...] Zachos Terzakis ist in Statur und Organ ein Muster-Hoffmann [...]. Beklemmend echt agierte Michael Hamlett als serviles Multifaktotum. Die Publikumsgunst des Abends erspielte und ersang sich die exzellente Monica Mascus als Muse und Niclas. Bühnenbild und Kostüme erhielten zu Recht Szenenapplaus für das Venedig-Bild, Chor und Orchester liefen unter Karsten Huschkes engagierter Leistung nach Startschwierigkeiten zu glänzender Form auf. [...] |